Buchbesprechung: Sven Rahner – Architekten der Arbeit

Fast ein bisschen neidisch bin ich geworden, als ich Sven Rahners Buch „Architekten der Arbeit“ zum ersten Mal in der Hand hielt. Ist der Autor doch nach einer Methode vorgegangen, die auch ich sehr schätze, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu sammeln und die mir selbst immer am meisten Spaß bereitet. Rahner hat Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik dazu befragt, wie wir in Zukunft arbeiten werden.

Und während sich der Leser an den Ergebnissen der Gespräche erfreuen kann und viele interessante Einsichten bekommt, so ist es doch für den Autor eine ganz besonders tolle Erfahrung, diese Menschen zu treffen, mit ihnen zu sprechen, ihre Einstellungen und Erfahrungen zu hören und dabei selbst neue Ideen und Denkanstöße zu bekommen. Manchmal entwickeln sich aus diesen Gesprächen auch Beziehungen, die einen jahrelang begleiten. Ich selbst habe für meine Doktorarbeit 15 Politikerinnen interviewt, um ihre Karrierewege zu erfassen und zu analysieren. Ich habe sie zuhause, in ihren Büros, in Restaurant, alleine und auch mit Kind auf dem Schoß getroffen und kann mich an jedes Gespräch noch ganz genau erinnern. Wenn ich heute eine dieser Politikerinnen treffe, oder auch mal für eine Veranstaltung anfrage, erinnern sich die meisten auch noch an mich, kennen meinen Namen und mein Gesicht. Es war eine schöne Erfahrung und deshalb beneide ich Sven Rahner ein bisschen darum, dass er diese mit Vorausdenkern und Zurückblickern zu einem hochspannenden Thema machen durfte.

Zu seinen Gesprächspartnern zählen nationale und internationale Forscher und Denker wie Peter Hall und Matthias Horx, Praktiker wie Thomas Sattelberger, Brigitte Ederer und Michael Sommer und schließlich Spitzenpolitiker aller Parteien. Durch die Gespräche ziehen sich drei Themen als roter Faden: Digitalisierung, Diversifizierung und Demokratisierung – 3-D, wie der Autor es nennt. Zwar ist all das nicht wirklich neu und auch die Aussagen der Gesprächspartner sind an sich nicht als revolutionär zu bezeichnen. Doch finde ich die Bündelung von Ansichten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sehr gelungen, handelt es sich dabei doch um etwas, was in Deutschland noch viel zu häufig nebeneinander herläuft, anstatt zusammen.

Alles in allem ein gelungenes Buch, das ich gerne am Wochenende gelesen habe und das mir wieder einmal gezeigt hat, dass wir alle dran bleiben müssen, um die Zukunft der Arbeitswelt in unserem Sinne mitzugestalten. Denn nach wie vor findet die Debatte auf einer viel zu abstrakten und zu weit von der Praxis der täglichen Arbeit entfernten Ebene statt. Ich merke es insbesondere in meinen Gesprächen und Workshops als Auditorin für Beruf und Familie, die in erster Linie mit Führungskräften und Mitarbeitern aus dem Mittelstand stattfinden, dass selbst die einfachsten Thesen zwar mittlerweile von einigen (aber längst nicht von allen) verstanden, aber noch lange nicht in den Arbeitsalltag integriert werden

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