I love my job – Mein Lebenslauf ist Programm

blogparade lieblingsjobs

Die Blogparade von Annette Lindstädt #lieblingsjob hat mich inspiriert, einmal über das nachzudenken, was mich in meiner täglichen Arbeit antreibt.

Letzte Woche hatte ich das Vergnügen, der Enquete Kommission des Salzburger Landtags als Expertin zum Thema „Neue Mittel der Teilhabe, Mitbestimmung und direkten Demokratie für Salzburgs Bürgerinnen und Bürger“ Rede und Antwort zu stehen. Nach meiner Vorstellung, die etwas ausführlicher ausfiel, sagte die Landtagspräsidentin: „Ihr Lebenslauf ist ja quasi Ihr Programm!​“

Im Nachgang der Sitzung habe ich mir dazu noch ein paar Gedanken gemacht und wusste zunächst nicht, ob ich diese Aussage tatsächlich als Anerkennung auffassen sollte. Bedeutet sie nicht auch, dass ich mich nie über den Tellerrand meiner persönlichen Interessen hinaus fortentwickelt habe?

Ja, ich muss zugeben, ich habe schon immer das mit Feuereifer gemacht, was meinen persönlichen Interessen entsprochen hat. Was nicht immer nur zu meinem Vorteil war – auch das muss hier ehrlichkeitshalber erwähnt werden. Als ich mit Anfang 20 auf dem Kanada-Trip war, bearbeitete ich als einzige Studentin in der politikwissenschaftlichen Zwischenprüfung das kanadische Regierungssystem. Nicht gerade der Nabel der politischen Welt, war Kanada bis dahin in keinem einzigen Seminar und in keiner Vorlesung auch nur erwähnt worden. Mein Wissen war somit zu hundert Prozent angelesen, wobei ich die Literatur wahrscheinlich nicht immer richtig verstanden hatte und die Prüfung gerade einmal mit befriedigend abschloss, obwohl ich zuvor wochenlang gelernt hatte. Meine Kommilitonen, die sich auf Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder die USA beschränkten, hatten natürlich bessere Noten.

Bei meiner Vorstellung im Salzburger Landtag hatte ich meine Expertise in Sachen „politische Beteiligung von Frauen“ darauf zurück geführt, dass ich mich selbst als junge Frau zwar politisch engagiert hatte, mein Engagement aufgrund meiner Einzelkämpferrolle aber nach einigen Jahren an den Nagel gehängt hatte, um mich dem Thema als Außenstehende in analysierender und beratender Funktion zuzuwenden. Nachdem in der Politik diesbezüglich zwar noch kein Durchbruch, aber doch deutliche Verbesserungen erzielt worden waren – immerhin durfte ich die Einführung einer Frauenquote in der CSU als Expertin begleiten – wandte ich mich mehr und mehr der Förderung von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft zu. Heute kann ich von mir behaupten, in beiden Gebieten einen gewissen Expertenstatus erreicht zu haben. Ich kenne mich aus, fühle mich in den Themenfeldern zuhause und werde regelmäßig als Vortragsrednerin, Podiumsgast und Beraterin eingeladen. Und das Beste daran ist: Es macht mir nach wie vor unheimlich viel Spaß, ich brenne für meine Themen und bin bisher nie müde geworden, darüber zu reden, zu schreiben und auch mal zu streiten. Ich kann also mit Fug und Recht behaupten: Ich liebe meinen Job!​!​!

Doch es gibt auch eine Kehrseite. Ich bin so eng mit meinen Themen verbunden, dass ich manche Dinge zu persönlich nehme, Enttäuschungen und Rückschläge mich wirklich hart treffen und ich gelegentlich auch ein bisschen über mein Ziel hinaus schieße. Bei aller Liebe und Leidenschaft, die mir Kollegen und Mitstreiter immer wieder attestieren, muss ich mich selbst immer wieder daran erinnern, dass es eben manchmal auch „nur ein Job“ ist. Und während es sicherlich nicht verkehrt ist, als Qualitätsmerkmal stets den einen Maßstab anzulegen, sollte man wohl hin und wieder auch in der Lage sein, seine Arbeit mit etwas Distanz und damit auch aus der Perspektive Dritter zu betrachten. Wenn ich also wieder einmal feststelle, dass ich zwischen meiner Arbeit und meiner Selbst nicht trennen kann, werde ich diesen letzten Absatz hier lesen. Mal schauen, ob es hilft…?

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