Arbeiten wo und wann wir wollen

Arbeit kann auch auf der Pferdekoppel stattfinden

Arbeit kann auch auf der Pferdekoppel stattfinden

Nachdem sich mein Blog in den letzten Wochen ein bisschen ausgeruht hat, nutze ich die Blogparade „Die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter“ von The New Worker gerne, um mich wieder zurück zu melden.

Zum Thema Arbeitsumgebung fällt mir ganz spontan ein Interview ein, das ich vor einigen Wochen geführt habe. Ein Geschäftsführer hat mir darin beschrieben, wie er bewusst eine Arbeitsumgebung geschaffen hat, in der sich seine Mitarbeiter mindestens so wohl fühlen wie zuhause, vielleicht sogar noch ein bisschen wohler. Auf meine kritische Nachfrage, ob sich dahinter die Absicht verbirgt, dass seine Leute in Zukunft das Büro gar nicht mehr verlassen wollen, hatte er eine – wie ich finde – glaubwürdige Antwort parat: So steht hinter dieser Überlegung der Wunsch, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der jeder in die Lage versetzt wird, sein Bestes zu geben. Denn wenn Menschen sich wohl fühlen und fast alles tun können, worauf sie Lust haben (in diesem Fall aus dem Strandkorb heraus arbeiten, mit Kollegen beim Brainstormen gemeinsam kochen oder zwischendurch ein ruhiges Plätzchen für den Mittagsschlaf aufsuchen) dann haben sie auch Spaß an der Arbeit.

Und dem kann ich durchaus zustimmen. Wenn ich einmal zurückdenke, was ich an meinem früheren Arbeitsplatz häufig vermisst habe, dann war das vor allem die Freiheit dort zu arbeiten, wo ich gerade wollte. In meinem Fall wäre das im Sommer oft die Bank im Park gegenüber gewesen, im Winter auch mal der Coffee Shop mit dem echten Kaminfeuer und manchmal auch einfach nur das bequeme Sofa. Doch dank Stechuhr und der von oberster Stelle vorgegebenen Regelung, dass Arbeit nur am Schreibtisch stattzufinden hat, waren mir diese kleinen Freuden aus Prinzip verwehrt.

Heute arbeite ich selbständig und kann mir aussuchen wo, wann und wie ich arbeite. Und man stelle sich vor: Oft kehre ich nach kurzen Ausflügen in die Sonne, zum Kaffeetrinken oder auf die Couch freiwillig an meinen Schreibtisch zurück, wo mich nichts blendet, der Geräuschpegel niedrig ist und mir die Arme beim Schreiben nicht einschlafen. Das Gute aber ist: Ich bestimme und muss damit keine weiteren Gedanken darauf verwenden was wäre, wenn ich doch nur dürfte.

Und damit bin ich nicht allein. Die meisten Menschen, die ihren Arbeitsort frei wählen dürfen, kommen trotzdem regelmäßig ins Büro. Sie schätzen den Austausch mit den Kollegen, die ungestörte Arbeitsatmosphäre, den schnellen Zugriff auf nicht-digitale Dokumente oder auch einfach die Routine. Und dagegen ist nichts einzuwenden. Wichtig ist nur: Kein Wissensarbeiter sollte heute noch von seinem Arbeitgeber vorgeschrieben bekommen, an welchem Ort er seine Arbeit zu verrichten hat. Derartige Regelungen sind entmündigend und zeugen von Misstrauen, mangelndem Respekt und der Unfähigkeit, zu führen.

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