Buchtipp: Felicitas Richter holt berufstätige Eltern dort ab, wo sie stehen

Richter

Ich gebe zu – am Anfang dachte ich „bitte nicht noch ein Buch, das in das kollektive Klagelied einstimmt“. Denn zunächst nimmt Felicitas Richter ihre Leser(innen) mit auf einen Streifzug durchs Jammertal der Vereinbarkeitsskeptiker und beschreibt, den „Druck von allen Seiten“, den „Alltag im Überlebensmodus“ in dem berufstätige Eltern „sich aufreiben“ „weit über ihre Kräfte“ hinausgehen und trotzdem merken, „dass alles Mühen es einfach nicht besser macht.“

Bis dann, auf Seite 35, endlich die erlösende Überschrift kommt: „Raus aus dem Jammertal“. Gefolgt von der Erkenntnis: „Es müsste möglich sein, das Leben als Ganzes zu leben – nicht zerpflückt in ‚Arbeit‘ und ‚Leben‘. Es wäre schön, gelassen und entspannt zu sein.“ Diese Worte stimmten mich dann doch hoffnungsvoll und machten mich neugierig, weiter zu lesen.

Schnell wurde mir dann auch bewusst, dass die Autorin diesen Einstieg bewusst gewählt hat, um Eltern dort abzuholen, wo viele von ihnen stehen. Wie eine gute Freundin nimmt sie einen an die Hand, verständnisvoll und aus der „ich kenne das“ Perspektive, niemals anklagend, geringschätzend oder mit erhobenem Zeigefinger. Sie gibt Ratschläge, die lösungsorientiert sind, gut verständlich und auch direkt umsetzbar. Dabei handelt es sich aus meiner Sicht auch nicht unbedingt um revolutionäre Ideen und Vorschläge, deren Umsetzung viel Mut und Ausdauer erfordern, sondern in erster Linie um Aufforderungen zum Innehalten, Reflektieren und Relativieren.

Obwohl ich mich selbst nahezu täglich – beruflich und privat – mit den Themenstellungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Arbeit und Leben beschäftige, hat Felicitas Richter auch für mich noch einige neue Tipps und Ideen parat. Gerne nehme ich die Anregung mit, mir abends im Bett den zurückliegenden Tag noch einmal durch den Kopf gehen, anstatt ihn einfach so verstreichen zu lassen. Gute gefallen haben mir auch ihre Beispiele aus den verschiedensten Bereichen, sei es aus der Physik, der Psychologie oder einfach mitten aus dem Leben

Mein Fazit: Alles in allem hilft einem das Buch dabei, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen und damit eigene, individuelle und praktikable Lösungen zu finden. Damit ist es ein wunderbarer Kontrast zur gängigen „Geht alles gar nicht“ Literatur, die nur Probleme und Schwierigkeiten aufwirft, aber keinerlei Lösungen bietet; ja viel schlimmer noch, die darin bestätigt, dass es keine Lösungen zu geben scheint.

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Lesenswert für alle, die entschlossen sind, sich nicht unterkriegen zu lassen und Hilfe zur Selbsthilfe annehmen wollen!

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