5 Fragen an Sven Franke von AUGENHÖHE

AUGENHÖHEwege_960x300neuSicherlich kennt Ihr alle AUGENHÖHE; den Film, der uns in diesem Jahr in bewegten Bildern vor Augen geführt hat, wie die Arbeitswelt von heute und morgen aussehen kann. Über 3.000 Mal wurde der Film bisher herunter geladen und über 10.000 Leute haben ihn sich online angesehen. Hinzu kommen über 220 Film- und Dialogveranstaltungen quer durch die Republik – und darüber hinaus in sechs anderen Ländern. Viele Menschen, die den Film gesehen und darüber diskutiert haben, sind überzeugt: Ja, es geht! Wir können in Zukunft anders – eben auf AUGENHÖHE -zusammenarbeiten.

Mit AUGENHÖHEwege wollen Daniel Trebien, Philipp Hansen, Silke Luinstra und Sven Franke nun einen Schritt weiter gehen. Sie möchten aufzeigen, wie Unternehmen den Weg zu einer neuen Arbeitskultur in der Praxis gestaltet haben. Und auch, welche Hindernisse Sie dabei überwunden haben und vor welchen Herausforderungen diese Organisationen immer wieder stehen.

Noch genau eine Woche – bis zum 12. Oktober – läuft die Crowdfunding Aktion. Das Ziel, 50.000 Euro ist noch nicht ganz erreicht, also jeder Euro zählt. Mitmachen könnt Ihr hier

Sven Franke war so nett, mir 5 Fragen zum alten und neuen Projekt zu beantworten.

Sven Franke, einer der vier Initiatoren von AUGENHÖHE

Sven Franke, einer der vier Initiatoren von AUGENHÖHE

  1. Sven, welche Situationen haben Euch bei den Aufführungen ganz besonders berührt und überrascht?

Das ist für mich gar nicht so einfach zu beantworten. Wir waren als AUGENHÖHE Kernteam nur bei einem Bruchteil der stattgefunden Veranstaltungen mit dabei. Die Reaktionen hängen aus meiner Sicht sehr stark vom persönlichen Kontext ab. Das fängt für viele Zuschauer sicherlich bei den Szenen von Premium Cola an, die durch die Organisationsform als Kollektiv mit Konsensentscheidungen ein wenig heraus stechen. Wenn man aber weiß, dass Premium Cola seit 13 Jahren sehr erfolgreich ist, dann kommen viele ziemlich ins Grübeln. Überraschend sind für mich immer wieder die Reaktionen auf die beiden Konzerne, die wir zeigen. Besonders bei Unilever haben viele Dialogpartner den Film „Work Hard Play Hard“ im Kopf und können sich nicht vorstellen, dass dort in anderen Bereichen auch anders gearbeitet wird.

  1. Was hat sich Eurer Meinung nach in diesem letzten Jahr in Deutschland bewegt? Und was können wir tun, um die Bewegung weiter voran zu treiben?

Aus meiner Sicht ist es gelungen, eine Diskussion zu starten. Persönlich finde ich es dabei nicht wichtig, unter welchem „Buzzword“ diese Diskussion stattfindet. Sei es Arbeiten 4.0, New Work, demokratisches Unternehmen oder eben AUGENHÖHE. Jetzt wird es Zeit, die entstandene Energie zu bündeln und eine Sichtbarkeit der Unternehmen, die sich auf den Weg gemacht haben, herzustellen. Dazu werden wir in den nächsten Wochen die neue Webseite http://augenhoehe-wege.de inklusive Forum starten, die genau das ermöglichen soll.

Parallel möchten wir mit unserem neuen Filmprojekt AUGENHÖHEwege die Diskussion weiter befeuern. Um AUGENHÖHEwege umzusetzen haben wir, wie schon bei AUGENHÖHE, ein Crowdfunding mit dem Ziel von 50.000€ gestartet. Dieses läuft noch bis zum 12. Oktober auf startnext und nordstarter. Ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, dass wir uns über jede Form der Unterstützung sehr freuen.

Daniel und Philipp bei Dreharbeiten in der Werkshalle von allsafe JUNGFALK 2

Daniel und Philipp bei Dreharbeiten in der Werkshalle von allsafe JUNGFALK 2

  1. Viele Unternehmen gehen ja – wenn überhaupt – nur sehr kleine Schritte. Einen Tag Home-Office hier, etwas mehr Gleitzeit da. Wie kann man ihnen Mut machen, ein bisschen mehr zu wagen?

Grundsätzlich finde ich das nicht schlimm, wenn Unternehmen „nur“ sehr kleine Schritte gehen. Wichtig ist, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Ist der gemacht, heißt es für alle dran bleiben. Ich sage ganz bewusst „alle“, da jeder, unabhängig davon, in welcher Position er ist, dazu seinen Betrag leisten kann. Mit welcher Haltung begegne ich beispielweise meinem Kollegen, dem Azubi oder der Teamleiterin? Sehe ich die Rolle oder den Menschen? Bin ich offen für Veränderung und spreche ich Dinge an, die mir selbst wichtig sind?

Ich verstehe auch, dass man manchmal das Gefühl hat, es geht nicht schnell genug. Was man dabei aber nicht vergessen darf ist: Es geht bei diesen Schritten um eine Änderung der Unternehmenskultur. Diese wiederum speist sich aus dem kollektiven Gedächtnis der Organisation. Ich glaube jeder von uns weiß, wie schwierig es ist, eine unliebsame Gewohnheit abzulegen. Auch das klappt ja nur, wenn man jeden Tag dran bleibt, so dass es irgendwann zum Selbstverständnis wird.

  1. Man liest ja immer noch viele Argumente, warum neue Arbeitsweisen oder andere Führungsstile nicht umsetzbar sind – was antwortet Ihr den „geht alles gar nicht“ – Vertretern?

Mit der Auswahl unserer Beispiele haben wir versucht genau diese Argumente zu entkräften. Und wir merken, das ist uns ziemlich gut gelungen. Wenn man AUGENHÖHE anschaut, stellt man sehr schnell fest, dass die üblichen Einwänden wie „wir haben viele blue colour worker“ oder „wir sind zu groß“ mit entsprechenden Beispielen entkräftet werden können.

Ich bin fest davon überzeugt, dass alle Argumente nur Ausreden sind um sich nicht auf den Weg zu machen. Obwohl es der Markt, die Mitarbeiter und Verbraucher immer mehr fordern. Trotzdem möchte ich keinen Menschen missionieren.

  1. Wenn ich als Mitarbeiter in einem Unternehmen den Film gesehen habe und am nächsten Tag zurück an meinen Arbeitsplatz gehe – was kann ich tun, um selbst eine Bewegung zu starten?

Zum einen kann ich selber erste kleine Schritte gehen. Zum anderen würde ich mit Kollegen sprechen und mich mit allen, die AUGENHÖHE gesehen haben, vernetzen. Denn gemeinsam geht es ein wenig einfacher. Jeder sollte ich sich bewusst sein, er ist nicht allein. Manchmal fehlt nur der erste Mutige. Sei also Du der erste Mutige in deiner Organisation.

Danke, lieber Sven und noch viel Erfolg für Euer Projekt!

AUGENHÖHE Film und Dialog Premiere in Hamburg

AUGENHÖHE Film und Dialog Premiere in Hamburg

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