Good Bye Feierabend

Wir brauchen neue Arbeitszeitregelungen!

Vor Kurzem habe ich in einem ZDF WISO Beitrag gesehen, wie Ärzte oft 48 Stunden oder mehr im Krankenhaus arbeiten müssen. Menschen behandeln. Kranken helfen. Das ist natürlich nichts Neues, wir alle haben das wohl schon mal gehört, aber vielleicht geht es Ihnen da ähnlich wie mir – wir versuchen solche unangenehmen Dinge, die wir ohnehin nicht ändern können, zu verdrängen.

Doch diesmal geht mir das nicht mehr aus dem Kopf, v.a. weil ich unlängst ein Gespräch mit einer Personalrätin hatte. Es ging mal wieder darum, Mitarbeiter künftig arbeiten zu lassen wo und wann sie wollen. Und gerade bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es ja häufig den Wunsch, nachmittags Zeit mit den Kindern zu verbringen und sich abends nochmal an den Schreibtisch zu setzen.

11 Stunden Ruhezeit ist das noch zeitgemäß?

Und sicher ahnen Sie schon, worauf es hinausgelaufen ist. Bei der Betriebsrätin schellten sofort die Alarmglocken: Wie können wir sicherstellen, dass zwischen der Arbeit am Abend und dem Dienstbeginn am nächsten Tag die vorgeschriebenen Ruhezeiten – also 11 Stunden – eingehalten werden?

Konkret heißt das ja: Wer bis 10 Uhr abends arbeitet, darf am nächsten Tag frühestens um 9 beginnen. Wer bis 11 Uhr am Schreibtisch sitzt, sogar erst um 10. Ist das realistisch? Ist das überhaupt praktikabel?

Wenn ich angestellt wäre, wäre das, was ich hier gerade tue, eigentlich verboten. Denn ich sitze hier um 22.15 Uhr an meinem Schreibtisch und tippe diesen Blogartikel und ich werde morgen früh, wenn ich meinen Sohn in den Kindergarten gebracht habe, kurz nach 8 Uhr wieder hier sitzen und arbeiten. Rein rechnerisch ist das nicht ausreichend. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass ich den Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein auf dem Spielplatz verbracht habe.

Gängelung oder tatsächlicher Schutzbedarf?

Denn das ist dem Gesetzgeber bisher egal. Das Arbeitszeitgesetz will es so und wer sich als Arbeitgeber nicht in eine Grauzone der Illegalität begeben will, der muss seinen Mitarbeitern eigentlich untersagen, so zu arbeiten. Aber wem ist damit geholfen? Und wem wird tatsächlich Schaden zugefügt, wenn wir die Ruhezeiten nicht einhalten?

Gerade in Bürojobs sehe ich hier keinen tatsächlichen Schutzbedarf für die Beschäftigten. Und bei vielen anderen Berufsgruppen kräht ja auch kein Hahn danach. Wer weiß denn, wann der Lehrer seine Klausuren korrigiert, auch wenn er früh um 8 wieder vor der Klasse steht?

Praktikable Lösungen müssen her!

Ich weiß, dass es bisher keine zufriedenstellende Lösung für dieses Problem gibt. Denn ich sehe mich selbst bei Kunden immer wieder damit konfrontiert. Bleibt also nur zu wünschen, dass die Politik Möglichkeiten findet, damit umzugehen. Hoffentlich bald. Und hoffentlich so, dass dabei wirklich praktikable Lösungen herauskommen. Im Sinne der Beschäftigten. Im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Und nicht zuletzt im Sinne der Unternehmen, die gute Ideen und Absichten haben aber leider viel zu oft ausgebremst werden, diese umzusetzen.

Mich interessiert Ihre Meinung oder noch besser Ihre Lösung! Wie gehen Sie mit den Ansprüchen nach Flexibilität einerseits und den gesetzlichen Vorgaben andererseits um? Sie ganz persönlich? Sie als Personaler? Sie als Arbeitgeber und Vorgesetzter? Ich freue mich über Ihr Feedback!

 

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